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Archäologische Untersuchungen und Ausgrabungen zur antiken Urbanität

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Alexandria – Shatby

Von Alexander dem Großen 331 v. Chr. gegründet, wurde Alexandria rasch zur Metropole des antiken Mittelmeerraums. Erstmals in der Geschichte kam hier eine Bevölkerung aus vielen Gegenden der antiken Welt zusammen, die ihr Zusammenleben nach dem Muster eines griechischen Stadtstaates selbst organisierte. Die frühe Nekropole im heutigen Stadtteil Shatby zeugt anhand der Grab- und Repräsentationsformen von der Konstituierung und dem Selbstverständnis der Stadtgesellschaft. Durch ihre Lage innerhalb des kaiserzeitlichen Mauerrings der Stadt wird zudem nahe gelegt, dass sie nach einer Vergrößerung der Stadt nicht mehr in Benutzung war.

Ausgrabungen im frühen 20. Jahrhundert

Die Ausgrabung des Geländes in den Jahren 1904 bis 1910 durch Evaristo Breccia und die Publikation der Ergebnisse ließen Fragen nach dem Raumkonzept, der Bauabfolge und der Datierung der unterirdischen Grabanlagen in dieser Nekropole offen. Zwischen 2010 und 2014 wurden daher von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Nachuntersuchungen in den heute noch zugänglichen Bereichen des alten Grabungsareals durchgeführt: Das große Hypogäum A wurde neu vermessen und Fehler der Dokumentation von 1912 richtiggestellt. Das Hypogäum B, von dem bislang keine Grabungsdokumentation existierte, wurde erneut freigelegt und detailliert aufgenommen. Eine weitere unterirdische Grabanlage (C) wurde erstmals erforscht.

Nekropole und Stadtentwicklung

Geklärt werden konnten die Abfolge der Baumaßnahmen in den einzelnen Grabkomplexen und die relative Chronologie der Gräber. Darin spiegelt sich die allmähliche Herausbildung einer speziell alexandrinischen Begräbnisform, die besonderen Wert auf die exklusive Betonung überschaubarer Bestattungskollektive legt. Darüber hinaus ließen sich in allen untersuchten Anlagen Indizien für eine plötzliche Aufgabe der Bestattungstätigkeit finden. Insbesondere die Anlage C erwies sich als eine aufgelassene Baustelle, die nie zu Bestattungszwecken gedient hat. Der Nachweis, dass die Anlage C nach Ausweis der Keramikfunde bereits in der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. als behelfsmäßiges Wohnquartier genutzt wurde, ist zudem ein wichtiger chronologischer Anhaltspunkt für das Ende der gesamten Nekropole und das Datum der Stadterweiterung. Bereits ca. einhundert Jahre nach der Gründung war Alexandria so attraktiv, dass die ursprünglich schon großzügig bemessene Stadtfläche nicht mehr ausreichte.

Literatur

S. Schmidt, Alexandria: Neue Forschungen zur antiken Großstadt, Akademie Aktuell 45, 2014, H. 4, 44–49.

S. Schmidt – C. Rummel, Shatby Revisited, Bulletin de la Société Archéologique d’Alexandrie 49, 2015, 45–62 (zum Volltext-PDF).

Weitere Informationen

Projektleitung

Prof. Dr. Stefan Schmidt
Bayerische Akademie der Wissenschaften
Alfons-Goppel-Str. 11
80539 München
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Förderung

Dieses Projekt wird gefördert von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.